Beethoven-Haus

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Tuesday, July 9, 2013 - 09:00

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BONN. Beethoven: Titan, Gigant, Revolutionär. An ehrfurchtsvollen Vokabeln fehlt es nicht, um die singuläre Erscheinung des Komponisten zu beschreiben.
Doch völlig im luftleeren Raum arbeitete auch der Schöpfer der Neunten Sinfonie oder der "Appassionata" nicht. Zwar ist er nicht unbedingt als Teamplayer bekannt, doch hatte er "Kollegen", die an ähnlichen kompositorischen Ideen feilten oder in vergleichbarer Art die Grenzen zum Beispiel der Gattung Klaviersonate erweiterten. In London (wohin Beethoven nie gereist ist) waren dies etwa Muzio Clementi und Johann Ladislaus Dussek.

Dieser Art Zeitgenossenschaft über Ländergrenzen hinweg widmete sich der diesjährige Meisterkurs im Beethoven-Haus unter Leitung des Pianisten Andreas Staier. Neben dem musikgeschichtlichen fasste man auch einen instrumentengeschichtlichen Aspekt ins Auge: Den vier Kursteilnehmern standen neben einem Standard-Steinway-Flügel Hammerflügel von Conrad Graf und Thomas Broadwood zur Verfügung, beide in die Lebenszeit Beethovens zu datieren.

Im Abschlusskonzert im Kammermusiksaal führte das Programm sehr plastisch vor, wie damals Figuren, Klänge, Motive gewissermaßen "in der Luft" lagen. Man sprach dieselbe musikalische Sprache. Wobei die Art, diese Elemente zu verdichten, natürlich den entscheidenden Unterschied ausmacht. Clementis Klaviersonaten sorgten zu ihrer Entstehungszeit zwar für gehöriges Aufsehen. Die h-Moll-Sonate, die Mikhail Shilyaev auf dem Broadwood-Flügel klug, aber etwas zu zurückhaltend interpretierte, bot aber, neben ein paar schönen Einfällen, vor allem abgenutztes Material.

Spannungssteigerungen beschränkten sich meist auf Sequenzierungen. Anders Fantasie und Fuge f-Moll sowie eine Elegie von Dussek. Diese Werke wirkten erheblich eigenständiger, packender, tiefschürfender. Dank der ebenso virtuosen wie hochmusikalischen Wiedergabe durch Olga Pashchenko (ebenfalls auf dem Broadwood-Flügel) entstand eine fesselnde Begegnung mit ranghoher Musik "neben" Beethoven.

Der kam mit der späten As-Dur-Sonate (Sergej Lukashuk auf dem Steinway) und den sieben Bagatellen op. 33 schließlich selbst zu Wort. Eine kleine Sternstunde bot dabei Dmitry Gladkov. Auf dem im Vergleich zum Broadwood-Flügel trockener klingenden, intimer wirkenden Graf-Flügel spielte er die feinsinnigen Miniaturen grandios.

Artikel vom 30.06.2013